Dr. Irm­gard Kraus (1896 – 1942)

Dr. Irm­gard Kraus, eine der ers­ten Me­di­zin­stu­den­tin­nen in Deutsch­land, wird 1942 im Rah­men der „Ak­ti­on 14f13“ als Jü­din se­lek­tiert und in der Tö­tungs­an­stalt Bern­burg er­mor­det.

Irm­gard „Irma“ Kraus wächst als jüngs­tes Kind von sie­ben Ge­schwis­tern in ei­nem jü­di­schen El­tern­haus auf. Sie ge­hört zu den ers­ten Me­di­zin­stu­den­tin­nen Deutsch­lands. Im Jahr 1924 er­hält sie ih­ren Dok­tor­ti­tel an der Uni­ver­si­tät Er­lan­gen. Ge­mein­sam mit ih­rem Bru­der Hans un­ter­hält Irma eine Arzt­pra­xis in Fürth. Zu ihr kom­men vor al­lem Kin­der und Frau­en. Irma Kraus ist mit Leib und See­le Ärz­tin.

Nach der Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten 1933 kom­men im­mer we­ni­ger Pa­ti­en­tin­nen in ihre Pra­xis, da sie Jü­din ist. Ihre wirt­schaft­li­che Lage ver­schlech­tert sich zu­se­hends. Im Juli 1935 wird Irma ver­haf­tet. Die Be­hör­den wer­fen ihr vor, als Ärz­tin „ge­werbs­mä­ßig“ Ab­trei­bun­gen durch­ge­führt zu ha­ben.

Irma be­strei­tet den Vor­wurf der „Ge­werbs­mä­ßig­keit“. Sie gibt an, dass sie vor al­lem Frau­en in Not und aus Mit­leid habe hel­fen wol­len.

Am 27. No­vem­ber 1935 ver­ur­teilt sie das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth in zwölf Fäl­len we­gen „ge­werbs­mä­ßi­ger Ab­trei­bung“ nach § 218 Straf­ge­setz­buch. Das Ur­teil des Land­ge­richts lau­tet sechs Jah­re Zucht­haus und Ent­zug der Bür­ger­rech­te. Im De­zem­ber 1935 wird sie in der Frau­en-Straf­an­stalt Aich­ach in­haf­tiert. Für sie be­deu­tet die In­haf­tie­rung im Zucht­haus ver­schärf­te Haft­be­din­gun­gen und schwe­re kör­per­li­che Ar­beit.

Wäh­rend ih­rer Haft­zeit stirbt ihr Va­ter Sa­lo­mon. Die Uni­ver­si­tät Er­lan­gen ent­zieht Irma im Mai 1941 die Dok­tor­wür­de. Be­reits im Herbst 1936 hat­te sie die Ap­pro­ba­ti­on als Ärz­tin ver­lo­ren. Im Herbst 1938 ent­zie­hen die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten al­len jü­di­schen Ärz­tin­nen und Ärz­te ihre Zu­las­sung – und da­mit die Grund­la­ge ih­rer be­ruf­li­chen Exis­tenz.

Im Juli 1941 schal­tet sich die Kri­mi­nal­po­li­zei Nürn­berg ein: „Der Land­rat in Aich­ach wur­de er­sucht, die Ge­fan­ge­ne nach Straf­ver­bü­ßung in Po­li­zei­haft zu neh­men und im Sam­mel­schub­ver­kehr and das Po­li­zei­prä­si­di­um Nürn­berg-Fürth zu über­stel­len, weil be­ab­sich­tigt ist, ge­gen sie po­li­zei­li­che Vor­beu­gungs­haft an­zu­ord­nen“, schreibt die Kri­mi­nal­po­li­zei­stel­le am 22. Juli 1941. Nach Ver­bü­ßung ih­rer Haft­straf­te wird Irma nicht ent­las­sen, son­dern im Herbst 1941 in „Vor­beu­gungs­haft“ ge­nom­men. Sie kommt in das Frau­en-KZ Ra­vens­brück. Dort re­gis­triert die SS sie ver­mut­lich als „Be­rufs­ver­bre­cher“.

Ir­mas Fa­mi­lie und die Is­rae­li­ti­sche Kul­tus­ge­mein­de Fürth ver­su­chen ihre Ent­las­sung aus Ra­vens­brück und die Aus­wan­de­rung nach Kuba zu er­wir­ken. Die Be­mü­hun­gen schei­tern, sie bleibt in Ra­vens­brück. Im Jahr 1942 wird Irma Kraus im Rah­men der „Ak­ti­on 14f13“ als Jü­din se­lek­tiert und in der Tö­tungs­an­stalt Bern­burg er­mor­det. Auch drei ih­rer Ge­schwis­ter wer­den von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ge­tö­tet: Sel­ma und Fe­lix Kraus wer­den im No­vem­ber 1941 nach Riga-Jung­fern­hof de­por­tiert. Ihre Schwes­ter Hed­wig Ben­del trans­por­tie­ren die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten im März 1942 in das Ghet­to Iz­bica.

Au­torin: Lau­ra Lo­pez-Mras

Por­­trait-Foto von Irma Kraus, 1920er Jah­re Jü­di­sches Mu­se­um Fran­ken