Jugendprojekte
„Was war, können wir nicht mehr ändern, aber es darf nie wieder geschehen.“ Margot Friedländer
Projekt des Jugendzentrums Lorem Ipsum
Interview mit der Enkelin von Johanna Vogl


Interview
Interview mit der Enkelin Jamila Ly

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Intro und Interview von Kathi Naistet

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Intro und Interview von Khuloud Aljaroudi

Studentinnen des Studiengangs Soziale Arbeit (TH Augsburg)
Podcast zu Anna Scharf
Im ersten Audiobeitrag wird die Geschichte von Anna Scharf beleuchtet und warum sie zu einer verurteilten „Straftäterin“ in der Zeit des Nationalsozialismus wurde. Im zweiten Beitrag wird dann beleuchtet, ob es in der heutigen Zeit zu einer Wiederholung der damaligen Geschichte kommen könnte.
Das Foto zeigt v.l.n.r.: Magdalena Winzinger, Hannah Steiger, Maara Murthy und Julia Curic, auf dem Foto fehlt Corinna Reischert.

Podcast
Geschichte der
Anna Scharf

Podcast
Was bedeutet die Geschichte der Anna Scharf heute
Projekt als P‑Seminar des Gymnasium Merings
Stolpersteinverlegung für Magdalena Rill in Mering
Reden der Schülerinnen und Schüler bei der Stolpersteinverlegung:
Begrüßung
Erinnern. Dieses Wort trägt eine unermessliche Bedeutung in unseren Herzen, unseren Gedanken und unserer Geschichte. Wir versammeln uns heute hier, nicht nur um zu erinnern, sondern um eine Handlung des Gedenkens zu vollziehen, die weit über das gesprochene Wort hinausgeht. Wir haben uns heute versammelt, um einen Stolperstein in Mering für Frau Magdalena Rill zu verlegen.
Zuallererst möchten wir dem Archiv in Mering und insbesondere Herrn Dieter Bordon und seiner Kollegin unseren Dank aussprechen. Ihre Freundlichkeit und Großzügigkeit, uns durch die Archive zu führen und uns mit Informationen zu versorgen, haben uns einen unschätzbaren Einblick in die Geschichte Merings ermöglicht. Für die spätere Recherche zu Frau Rill war das Staatsarchiv München ein ebenso hilfreicher Partner.
Ein besonderer Dank gebührt auch Herrn Merkl, durch den wir auf das Schicksal von Magdalena Rill aufmerksam wurden. Er veröffentlichte im Jahr 2018 einen Artikel, in dem er die vergessenen Frauenschicksale der JVA Aichach in einer akribischen historischen Arbeit würdigte, an die inzwischen auch ein Mahnmal in Aichach erinnert. Dank seiner Arbeit haben wir nun heute die Möglichkeit, Frau Rills Geschichte zu erzählen.
Unser Dank geht auch an den Verein der Freunde des Gymnasium Merings, sowie die anonymen und namentlichen Spender unseres Crowdfundings, die die Finanzierung des Steins ermöglichten. Viel Unterstützung bekamen wir auch durch die Bezirksheimatpflege Schwaben und den Frauenverein Aichach – Friedberg. Herzlich willkommen Frau Brülls und Frau Zapf.
Die Stolpersteinverlegung heute umsetzen zu können wäre natürlich nicht möglich gewesen ohne die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Mering. Wir sind sehr froh, dass es nun tatsächlich klappt!
NS-Hintergrund
Das Rechtssystem in der NS-Zeit beruhte zu großen Teilen auf der Ideologie der Volksgemeinschaft, die auf einer rassistischen Weltsicht beruhte. Die Nationalsozialisten hatten die Vorstellung, die Integrität und der Bestand der arischen Volksgemeinschaft müsse geschützt werden. Dabei griffen sie zu menschenverachtenden Mitteln. Die Untaten der Nationalsozialisten hatten jedoch nicht nur rassenideologische Hintergründe. Jeder Mensch, der als Gefahr für den Bestand der Volksgemeinschaft angesehen wurde, konnte aufgrund des Rechtssystems und der Rechtspraxis der NS-Zeit schwer bestraft werden. Zu diesen Menschen gehörten auch sogenannte „Gewohnheitsverbrecher“. Gewohnheitsverbrechern mit Vorstrafen drohten Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren oder sogar unbegrenzt, wenn Täter als „gefährlich“ eingestuft wurden. Dies nannte man „Sicherungsverwahrung“. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 1941 konnte ein gefährlicher Gewohnheitsverbrecher der Todesstrafe verfallen, Zitat: “wenn der Schutz der Volksgemeinschaft oder das Bedürfnis nach gerechter Sühne es erfordert”. Zitat Ende. Es ging also nicht darum, ob man tatsächlich eine Gefahr für andere Menschen war. Ausschlaggebend war der “Wert” der Person für die Volksgemeinschaft.
Aus der JVA Aichach wurden seit November 1942 insgesamt mehr als 360 Frauen aus der Haftanstalt der Polizei überstellt, die diese Frauen dann in Konzentrationslager deportierte, wo sie ihrem Schicksal, der Vernichtung durch Arbeit, nicht entgehen konnten. Es handelte sich dabei um Zuchthausgefangene und Frauen aus der Sicherungsverwahrung, wie Magdalena Rill, aber auch um jüdische und polnische Frauen und Sintizje und Romnja. Ihrer wird seit vergangenem Jahr durch ein Mahnmal vor dem Stadtarchiv Aichach gedacht.
Biographie
Magdalena Rill wurde am 23.09.1875 hier in Mering als Kind von Quirin Hartmann und Walburga Rill geboren. Sie war laut eigener Erzählung ein sehr glückliches Kind, da ihr Vater sie als Besitzer einer Gastwirtschaft verwöhnen konnte. Als jedoch ihre Mutter starb, wuchs Magdalena dann bei einer Pflegefamilie auf, die ihr nie wirklich Aufmerksamkeit schenkte.
In der Schule war sie nach eigener Aussage trotz allem immer fleißig und erlernte später auch den Beruf der Schneiderin. Dieser brachte ihr aber nicht genug Geld ein, weshalb sie schon mit 18 Jahren die erste Strafe für Diebstahl beziehungsweise Betrug erhielt. Mit 28 Jahren wurde sie schwanger, trieb das Kind noch vor Antritt eines Haftaufenthaltes ab und versuchte, es auf dem Friedhof im Grab ihrer Pflegemutter zu beerdigen.
Magdalena wurde zur Wiederholungstäterin, da sie immer wieder Betrügereien beging, auch nach mehrfachen Wechseln ihres Wohnortes und einer Partnerschaft mit Max Hartmann, einem Optiker aus Wien. Dort lebte sie einige Jahre, bis sie nach Verbüßung einer Haftstrafe, 1935 ausgewiesen wurde. Die Anklageschrift, die sie schließlich in die JVA Aichach führen sollte, listet für die Jahre danach 32 Betrügereien und geringfügige Eigentumsdelikte auf, vermutlich versuchte sie sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Magdalena Rill lebte über 20 Jahre in verschiedenen Haftanstalten und Zuchthäusern. Ihre Situation dort war nicht einfach: Ihr ging es in all dieser Zeit oft körperlich schlecht, sie nimmt stark ab, aber auch psychisch hat sie Probleme: Sie äußerte mehrmals Selbstmordgedanken und hatte auch Schwierigkeiten mit andern Insassinnen. 1937, mit 60 Jahren, wurde sie dann von der JVA Aichach als arbeitsunfähig betitelt.
Die (Zitat) “moralisch ganz verkommene”, “unverbesserliche” Frau (Zitat Ende) wurde wahrscheinlich auch aus diesem Grund am 13.02.1943 mit mindestens 38 weiteren Frauen nach Ausschwitz deportiert. Es war der vierte von sieben Transporten dieser Art. In Auschwitz verstarb Magdalena Rill zwei Wochen später.
Würdigung / Einordnung
Frau Rill war verurteilt zu langen Haftstrafen. Immer wieder hat sie ihre Mitmenschen hintergangen und betrogen. Sie war keine moralisch integre Person. Sie hat die längste Zeit ihres Lebens in Haft verbracht, in einem Strafvollzug, der nicht wie heute auf Rehabilitation und Wiedereingliederung in die Gesellschaft angelegt war, sondern auf der Idee der Vergeltung und Bestrafung beruhte.
Dennoch: Frau Rill war ein Mensch. Auch sie ist im Besitz der Menschenwürde. Erkennen wir Frau Rill den Schutz ihrer Würde als Mensch, ihrer Unantastbarkeit als menschliches Wesen ab? Aufgrund eines Lebens in Unwahrheit und Betrug, dessen Ursachen uns letztlich nicht bekannt sind?
Es gibt nichts, was Frau Rill diese Würde absprechen kann. Nichts rechtfertigt das durch die Nationalsozialisten verhängte Todesurteil durch Deportation nach Auschwitz.
Dieser Stolperstein lässt uns gleich mehrfach stolpern. Er lässt uns stolpern über die furchtbare Geschichte und die schrecklichen Konsequenzen, die die Nazi-Herrschaft gehabt hat.
Und er lässt uns stolpern über unsere eigenen Gewissheiten und unser moralisches Empfinden: Er nötigt uns dazu, zum Kern des Problems zu gelangen: Unser Gedenken darf sich nicht im Mitleid mit den Betroffenen erschöpfen, z.B., wenn wir über einen Stolperstein stolpern, innehalten und uns mit dem Schicksal auseinandersetzen.
Unser Gedenken muss auch dazu dienen, eine erneute Relativierung der Menschenwürde zu verhindern. Gerade die Missachtung der Würde des Menschen an sich ist der Kern aller Gräueltaten der Nationalsozialisten.
Welchen Stellenwert hat die Menschenwürde in unserer Gesellschaft? In unserer Welt? Das Schicksal von Frau Rill konfrontiert uns mit dieser fundamentalen Frage.
DARÜBER sollten wir immer wieder stolpern!



Erinnerung braucht Menschen, die anfangen.
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