Initiative
Die weiblichen Opfer der NS-Justiz in den Blick nehmen
Ziele
Auf Initiative des Frauenforums Aichach-Friedberg wurde der Historiker
Dr. Franz Josef Merkl beauftragt, die Geschichte der Frauen in der Strafanstalt Aichach aufzuarbeiten, denen während des nationalsozialistischen Regimes Unrecht widerfahren ist.
Um an diese „vergessenen“ Frauen zu erinnern, schafft die Stadt Aichach vor dem heutigen Stadtarchiv einen Gedenkort. Dieser Ort wurde gewählt, da im ehemaligen städtischen Krankenhaus über 100 Zwangssterilisationen durchgeführt wurden und einige der inhaftierten Frauen am Alten Friedhof gegenüber begraben sind.
Die von 1905 bis 1908 errichtete Strafanstalt für Frauen wurde im Januar 1909 mit Platz für 550 Häftlinge in Betrieb genommen. Ab 1933 stieg die Anzahl der Insassinnen erheblich. Grund dafür waren verschiedene Gesetze, die es den Behörden erleichterte, unliebsame Personen zu inhaftieren und auch nach Verbüßung ihrer Haftstrafe weiter festzuhalten „solange es der Zweck erfordert“. Bei Kriegsende waren fast 2000 Frauen in der Strafanstalt Aichach eingesperrt.
Strengstens geahndet wurden auch kleinere Delikte wie Diebstahl, Bettelei, Obdachlosigkeit, Landstreicherei und Prostitution. Für politisch missliebige Personen konnte eine „Schutzhaft“ erlassen werden. Das „Gesetz über die Verhütung erbkranken Nachwuchses“ lieferte die Grundlage für die zwangsweise Sterilisation von Gefangenen.
Der Jahreswechsel 1942/43 brachte eine dramatische Wende für jüdische, polnische sowie Sinti- und Roma-Frauen, Frauen in Sicherungsverwahrung und zahlreiche Frauen mit längeren Zuchthausstrafen. Sie wurden „der Polizei übergeben“, eine schreckliche Umschreibung für ihre Deportation und den Mord an fast allen von ihnen. Insgesamt wurden in sieben Transporten hunderte Gefangene von Aichach nach Ausschwitz gebracht und dort ermordet. Nur zwei Frauen überlebten.

Frauenforum
Aichach Friedberg
Das Frauenforum Aichach-Friedberg gründete sich im Februar 1994 als überparteiliches und unabhängiges Netzwerk von engagierten Frauen im Landkreis. Es verfolgt seitdem einen klar emanzipatorischen und feministischen Ansatz. Im Zentrum steht dabei das Ziel, Diskriminierung sichtbar zu machen, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und Frauen in ihrer politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und persönlichen Teilhabe zu stärken – unabhängig von Alter, Herkunft, sexueller Orientierung oder sozialem Status.
Das Frauenforum schafft Raum für Begegnung und Austausch. Seit seiner Gründung organisierte es eine Vielzahl von Veranstaltungen wie Lesungen, Ausstellungen und Vorträgen zu frauenspezifischen Themen.
Seit 2006 veranstaltet es jährlich in Zusammenarbeit mit der Stadt Friedberg den Frauenempfang zum Internationalen Frauentag.
2011 startete das Frauenforum die Kampagne zur Umbenennung des damaligen „Wernher-von-Braun-Gymnasiums“ in Friedberg, im Dezember 2013 legte die Schule den Namen ab.
Das Frauenforum organisierte Kundgebungen und Mahnwachen u.a. zum Attentat auf Charlie Hebdo in Paris, für die afghanischen Frauen nach der Übernahme des Landes durch die Taliban, mit dem Aufruf: „Demokratie verteidigen – Friedberg gegen rechts“, und „Stopp Gewalt gegen Frauen. Im Jahr 2015 ging das Frauenforum mit dem Vorhaben, den „Vergessenen Frauen der Strafanstalt Aichach“ einen Ort des Gedenkens zu schaffen, an die Öffentlichkeit.
Das Frauenforum ist Gründungsmitglied vom „Friedberger Bündnis für Demokratie und Vielfalt“.
2016 erhielten die Sprecherinnen des Frauenforums die silberne Verdienstmedaille der Stadt Friedberg und 2024 das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten für das Engagement im Ehrenamt
Seit 2026 ist das Frauenforum Aichach-Friedberg als Verein registriert und erhielt 2026 die Gemeinnützigkeit.

Spender & Beteiligte & Förderer
Unser Dank
Die Entstehung des Gedenkortes für die „Vergessenen Frauen der Strafanstalt Aichach“ und die Erstellung dieser Website waren nur möglich, weil viele Menschen und Institutionen dieses Projekt mit großem Engagement, Vertrauen und großzügiger Unterstützung begleitet haben.
Den Anstoß zum Prozess gab Herr Rudolf Stumberger, der im Winter 2014 auf das Frauenforum Aichach-Friedberg zutrat mit der Information über die Geschehnisse in der Aichacher Strafanstalt während der Zeit des Nationalsozialismus. Aus dieser Zusammenarbeit heraus entstand die Absicht, den „Vergessenen Frauen der Strafanstalt“ einen Ort des Gedenkens zu schaffen.
Herausragend bedanken wir uns bei Altbürgermeister Klaus Habermann und der Stadt Aichach. Ohne ihren Einsatz und ihre Unterstützung wäre dieser Gedenkort nicht entstanden.
Die Grundlage für das gesamte Projekt schuf Dr. Franz Josef Merkl, seine intensive historische Recherche und die Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse im Jahrbuch Altbayern in Schwaben 2018 war der entscheidende Ausgangspunkt für die weitere Auseinandersetzung mit diesem bislang wenig beachteten Kapitel der Geschichte der Strafanstalt Aichach.
Große Unterstützung erfuhren wir durch Altlandrat Dr. Klaus Metzger und den Landkreis Aichach-Friedberg, die das Anliegen, diesen Frauen einen Ort des Gedenkens zu geben, mitgetragen und unterstützt haben.
Unser Dank gilt ebenso der Kreissparkasse Aichach-Schrobenhausen, jetzt Sparkasse Altbayern, die den Entstehungsprozess des Gedenkortes unterstützte.
Für die Verwirklichung dieser Website bedanken wir uns ganz besonders bei Herrn Dirk Matthies, Vorstand der AVA Augsburg. Durch seine maßgebliche Unterstützung wurde die Erstellung der Website ermöglicht.
Unser Dank gilt außerdem den Firmen SGL Carbon sowie Marmor Michl und Söhne GmbH für ihre großzügige Unterstützung bei der Materialbeschaffung und bei der Bearbeitung der Graphitstele.
Dankbar sind wir auch für die Unterstützung durch ANED – Associazione Nazionale ex Deportati nei Campi Nazisti – Ente del Terzo Settore. Die Verbindung zu dieser italienischen Organisation ehemaliger Deportierter und ihrer Angehörigen steht zugleich für die europäische Dimension des Erinnerns.
Wir danken für die konstruktive Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Flossenbürg, namentlich der Historikerin Laura Lopez Mras, u.a. für die Aufnahme unseres Projekts in die Ausstellung „Die Verleugneten“.
Unser besonderer Dank gilt dem Künstlerduo Schwarzenfeld, Raphaela Aurelia Sauer und Michael Meraner, für ihre außergewöhnliche künstlerische Arbeit, mit der sie dem Gedenken eine eindrucksvolle, ausdrucksstarke und zugleich würdige Form gegeben haben, für Ihre Geduld bei der Umsetzung des Konzepts und für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Ein herzlicher Dank gilt dem Team der Agentur FRIENDS Augsburg für die hochwertige und professionelle Umsetzung dieser Website. Mit großer Kreativität, viel Einfühlungsvermögen und einem feinen Gespür für die besondere Thematik haben sie unsere Inhalte in eine ansprechende und zugleich würdige Gestaltung übersetzt.
Unser Dank gilt darüber hinaus allen Beiträgerinnen und Beiträgern, die die Seite „Schicksale“ und die Seite „Jugendprojekte“ mit den Biografien der Frauen bereichert haben: Khuloud Aljaroudi, Sonja Falkner und Kathi Naistet (Juze Aichach); Julia Curlic, Maara Murthy, Corinna Reischert, Hannah Steiger, Magdalena Winzinger (Soziale Arbeit / TH Augsburg); Elisabeth Friedrichs; Gottfried Gansinger; Vera Hoyer, Jamila Ly und Nina Vogl (aus Österreich); Bernhard Lehmann; Liane Lieske; Brigitte Menne; Laura Lopez Mras; Renate Reckziegel; Corinna Schmidt (und das P‑Seminar Gymnasium Mering); Rudolf Stumberger.
Wir sagen allen Beteiligten von Herzen Danke, die dieses Projekt mit ihrer Zeit, ihrem Wissen, ihren Recherchen, ihren persönlichen Erinnerungen, ihren Ideen und ihren Spenden unterstützt haben.

Stadt Aichach
vertreten durch den Ersten Bürgermeister Klaus Habermann

Landkreis Aichach-Friedberg
vertreten durch Landrat Dr. Klaus Metzger

AVA Augsburg – Die Umwelt in guten Händen
vertreten durch den Vorstand Dirk Matthies

Sparkasse Altbayern
vertreten durch den Vorsitzenden des Vorstandes Nils Niermann
Unterstützer*innen

SGL Carbon
Großzügige Unterstützung bei der Materialbeschaffung und bei der Bearbeitung der Graphitstele

Marmor Michl – Matthäus Michl und Söhne GmbH
Großzügige Unterstützung bei der Materialbeschaffung und bei der Bearbeitung der Marmorstele

ASSOCIAZIONE NAZIONALE EX DEPORTATI NEI CAMPI NAZISTI ENTE DEL TERZO SETTORE
