Das Mahn­mal

Das Mahn­mal er­in­nert an die Frau­en, die in der Straf­an­stalt Aich­ach und im Aich­acher Kran­ken­haus Op­fer na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­rechts wur­den. Hun­der­te wur­den ins Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz de­por­tiert und dort er­mor­det. Ihre Schick­sa­le sol­len nicht ver­ges­sen sein.

Die Idee

Das Mahn­mal be­steht aus zwei Er­in­ne­rungs­ste­len – ein Mar­mor­block und ein Gra­phit­block ste­hen sich ge­gen­über, nur ein Spalt trennt sie. Be­wusst wur­den die zwei Ste­len eng hin­ter­ein­an­der ge­reiht und ver­de­cken sich so ab­wech­selnd. Eine zen­tra­le Text­bot­schaft be­fin­det sich im span­nungs­ge­la­de­nen Zwi­schen­raum der mäch­ti­gen Stei­ne. Stell­ver­tre­tend für das Leid der hun­der­ten Op­fer wur­de ein Brief von Vera Mi­che­lin-Sa­lo­mon tief in den Stein ge­mei­ßelt – ei­ner ita­lie­ni­schen Par­ti­sa­nin und ehe­ma­li­gen Ge­fan­ge­nen des Zucht­hau­ses Aich­ach. Um die­se Bot­schaft le­sen zu kön­nen, müs­sen die Men­schen den Ort der Er­in­ne­rung be­tre­ten und ge­nau hin­se­hen.

Goog­le Maps Rou­ting: Schul­stra­ße 2 | 86551 Aich­ach

„Vie­le Grau­sam­kei­ten ha­ben die Bar­ba­ren bis zu ih­rem Ende be­gan­gen, die Sum­me des von ih­nen ver­schul­de­ten mensch­li­chen Leids ist bei­spiel­los und durch nichts gut­zu­ma­chen, aber nun ist ihre Herr­schaft zu Ende und die Welt muss dar­an ar­bei­ten, sich eine bes­se­re Zu­kunft zu schaf­fen.“

„Mol­te atro­ci­tà sono sta­te con­su­ma­te dai bar­ba­ri pri­ma di mor­i­re, il con­to del­le sof­fe­ren­ze um­a­ne a loro ca­ri­co è inau­di­to e in­salda­b­ile, ma ora han­no fi­ni­to il loro do­mi­nio e il mon­do deve la­vora­re per cre­ar­si un av­ve­ni­re miglio­re.“

Vera Mi­che­lin-Sa­lo­mon

Ita­lie­ni­sche Wi­der­stands­kämp­fe­rin. Sie wur­de mit 21 Jah­ren in der Straf­an­stalt Aich­ach in­haf­tiert, hat das Nazi-Re­gime über­lebt und hat sich bis zu ih­rem 96. Le­bens­jahr un­er­müd­lich für Frie­de und Völ­ker­ver­stän­di­gung ein­ge­setzt.

Der Er­in­ne­rungs­ort be­fin­det sich vor dem Stadt­ar­chiv (Schul­stra­ße 2, Aich­ach). Das Ge­bäu­de war da­mals das Kran­ken­haus, in dem die meis­ten der Zwang­ste­ri­li­sa­tio­nen an Aich­acher Ge­fan­ge­nen vor­ge­nom­men wur­den. Ge­gen­über dem Mahn­mal liegt der Alte Fried­hof, ei­ni­ge die­ser Frau­en sind dort be­er­digt.

Die Au­ßen­sei­ten der schwe­ren ar­chai­schen Stein­blö­cke zie­ren fra­gi­le Mus­ter, sie er­in­nern an stein­zeit­li­che Frau­en-Menhi­re. Die­se fein­tei­li­gen, la­by­rinth­ar­ti­gen Gra­vu­ren be­stehen aus QR-Codes. So ge­langt man auf die ei­gens für die­sen Ge­denk­ort ge­schaf­fe­ne Web­sei­te www​.ver​ges​se​ne​frau​en​vo​naich​ach​.com, wel­che mit dem Zu­tun von In­ter­es­sier­ten und Historiker*innen zu ei­nem Wis­sens­spei­cher her­an­wach­sen soll. Die­se Samm­lung aus his­to­ri­schen Do­ku­men­ten, Fo­tos und pri­va­ten Re­cher­chen wird hier ar­chi­viert, und zu­künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen zu­gäng­lich ge­macht. Die Men­schen kön­nen so dazu bei­tra­gen, die­sen ver­ges­se­nen Frau­en eine Stim­me zu ge­ben.

Ei­nen zu­sätz­lich per­for­ma­ti­ven An­satz er­langt das Mahn­mal durch die Be­rüh­rung der fein glän­zen­den Ober­flä­che des schwar­zen Gra­phits. Die dunk­len Pig­men­te fül­len die Po­ren der Haut, die Be­rüh­run­gen wer­den so do­ku­men­tiert und im Stadt­raum ver­teilt – als Zei­chen, dass man hier war, dass man ge­se­hen hat. So wer­den die Besucher*innen ein Teil des Kunst­wer­kes. Die Gra­phit-Ste­le wird sich durch die stän­di­gen Be­rüh­run­gen im Lau­fe der Zeit auf­lö­sen und der gro­ße Mar­mor­block wird nach Jahr­hun­der­ten al­lei­ne zu­rück­blei­ben und die Text­bot­schaft in die Welt tra­gen.

Im Jahr 2021 lob­te die Stadt Aich­ach ei­nen zwei­pha­si­gen, eu­ro­pa­wei­ten Ideen­wett­be­werb aus, bei dem sich Künstler*innen für eine künst­le­ri­sche Ge­stal­tung und Schaf­fung ei­nes Ge­denk­orts be­wer­ben konn­ten.
Eine zwölf­köp­fi­ge Jury wähl­te aus den ein­ge­reich­ten Vor­schlä­gen den Ent­wurf des Künst­ler­du­os Schwar­zen­feld [Ra­pha­e­la Au­re­lia Sau­er / Mi­cha­el Me­ra­ner] aus.

www​.schwar​zen​feld​.com