Margarete Obermeier
Margarete Obermeier, geb. am 25.05.1900 in Goldbachschleife, von Juni 1940 bis Juli 1941 im Frauengefängnis Aichach inhaftiert, stirbt ohne Entschädigungsleistung im September 1976 in Weiden
Margarete „Gretl“ Obermeier, geborene Schottenhammel, wächst zusammen mit vier Geschwistern in Goldbach und Riglasreuth in der nördlichen Oberpfalz auf. An diesen Orten liegen Glasschleifereien, wo sich ihr Vater als Tagelöhner verdingt. Doch auch die Mutter und Kinder müssen mitarbeiten.
Die Menschen, die in den Glasschleifen leben und arbeiten müssen, sind nicht gut angesehen. Sie haben keine eigene Landwirtschaft und können sich nur begrenzt versorgen. Mit Quarzsand, Quecksilber und Potée, einem Eisenoxid, wird unter Beigabe von Wasser Glas zu Spiegel poliert. Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Glasschleifen sind schon von weitem erkennbar, da ihre Hände und Gesichter durch das Potée rot gefärbt sind. Es ist eine mühsame Tätigkeit, körperlich belastend und die Gesundheit schädigend.
Margarete und ihre Familie leben beengt im Werksgebäude. Trotz aller Arbeit ist Armut eine ständige Begleiterin.
Bereits als Jugendliche wird Margarete wegen Diebstahls zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Der Erste Weltkrieg ist gerade vorbei, da muss sie erneut für eine Woche in Haft. Der Vorwurf lautet: Gänsediebstahl.
Mit knapp 20 Jahren verlässt sie das Elternhaus, zieht umher. Sie scheint der Armut entkommen zu wollen und das Glück in den Städten zu suchen. So finden sich in den Akten Hinweise auf Aufenthalte
in München, Nürnberg und Leipzig. Mit Ende 20 lässt sie sich dauerhaft in München nieder. Sie heiratet Johann Obermeier. Die Ehe geht 1935 in die Brüche – „aus Verschulden der Angeklagten“, wie ihr das Landgericht München später unterstellt.
In München verdient Margarete ihr Geld in Bars und Bordellen. Offiziell steht sie „unter Sittenkontrolle“, wie es von Seiten des Amtes heißt. Immer wieder wird sie wegen Prostitution und Diebstahls für wenige Tage inhaftiert.
Gemeinsam mit anderen verkauft sie Diebesgut, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Jahr 1940 verurteilt sie das Landgericht München deswegen zu vier Jahren Zuchthaus. Die Polizei transportiert sie im Juni 1940 in die Frauen-Strafanstalt Aichach. Über ihre Zeit in Aichach ist nichts bekannt. Etwa ein Jahr später, im Juli 1941, kommt Margarete zur „Straffortsetzung“ in das Zuchthaus Anrath am Niederrhein. Zweimal wird sie dort mit zusätzlichem Arrest bestraft – die Gründe dafür sind unklar.
Nach Verbüßung ihrer Haftstrafe kommt Margarete nicht frei. Stattdessen wird sie im Herbst 1943 in das KZ Ravensbrück überstellt. Sie ist im Außenlager Graslitz inhaftiert, als dieses Teil des KZ Flossenbürg wird. Dort muss sie den schwarzen Winkel der als „asozial“ verfolgten Häftlinge tragen. In Graslitz müssen die Häftlinge in Tag- und Nachtschichten unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion leisten. Margarete überlebt den Todesmarsch und wird im Mai 1945 befreit.
Nach Kriegsende kehrt sie in die Oberpfalz zurück. Sie leidet unter den gesundheitlichen Folgen der KZ-Haft und kann nicht arbeiten. Das Geld der Wohlfahrtsunterstützung reicht nicht, um davon zu leben. So wohnt Margarete zunächst in einem winzigen, heruntergekommenen Zimmer im „Glasscherbenviertel“ der Stadt. Weil sie keine Zahlungen als NS-Verfolgte erhält, weist ihr das Wohnungsamt keine bessere Unterkunft zu.
Trotz ihrer angeschlagenen Gesundheit kämpft sie jahrelang vergeblich um Entschädigung. Für die Behörden hat sie als „asozial“ Verfolgte keinen Anspruch. Sie selbst sagt immer wieder aus, auch den roten Winkel der als „politisch“ Verfolgten getragen zu haben – ohne Erfolg. Die Behörden glauben ihr nicht.
Erst im Februar 1971 bestätigt das Deutsche Rote Kreuz, dass Margarete tatsächlich als „politisch“ Verfolgte im KZ Ravensbrück inhaftiert war. Aufgrund einer abweichenden Schreibweise des Mädchennamens war die Zugangsliste lange nicht auffindbar gewesen.
Für ihren Antrag auf Entschädigung spielt das aber keine Rolle: Dieser war bereits abgelehnt worden. Als „asozial“ Verfolgte hatte sie nach dem Gesetz keine Ansprüche.
Ohne je eine Entschädigungszahlung erhalten zu haben, stirbt Margarete im September 1976 in Weiden.
Autorin: Laura Lopez-Mras

![Obermeier Belegschaft Glasschleife[1]](https://vergessenefrauenvonaichach.com/wp-content/uploads/2026/09/Obermeier_Belegschaft_Glasschleife1-scaled.jpg)
![Obermeier 0979 002[1]](https://vergessenefrauenvonaichach.com/wp-content/uploads/2026/09/Obermeier_0979_0021-scaled.jpg)
![LEA 27251 0041[1]](https://vergessenefrauenvonaichach.com/wp-content/uploads/2026/09/LEA_27251_00411-scaled.jpg)