Schick­sa­le

Die Schick­sa­le der in der Aich­acher Frau­en­straf­an­stalt zwi­schen 1933 und 1945 ein­sit­zen­den Frau­en kann man in fol­gen­de Grup­pen ein­tei­len:

  • Alle
  • Jü­di­sche Ge­fan­ge­ne
  • Klein­kri­mi­nel­le De­lik­te
  • Po­li­ti­sche Ge­fan­ge­ne
  • Si­che­rungs­ver­wahr­te Frau­en
  • Un­er­laub­ter Um­gang mit Kriegs­ge­fan­ge­nen
  • Wei­te­re Haft­grün­de

Jo­han­na Vogl

Jo­han­na Vogl war eine ös­ter­rei­chi­sche Wi­der­stands­kämp­fe­rin, die sich schon als jun­ge Frau mu­tig ge­gen Fa­schis­mus und das NS-Re­­gime stell­te. Da­für wur­de sie ver­haf­tet, miss­han­delt und mehr als fünf Jah­re im Zucht­haus Aich­ach und im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ra­vens­brück ge­fan­gen ge­hal­ten. Ihre Le­bens­ge­schich­te steht für Hal­tung, Mut und die Ver­ant­wor­tung, auch heu­te ent­schie­den für Frie­den und Mensch­lich­keit ein­zu­tre­ten.

Ser­a­fi­na Steg­mai­er

Ser­a­fi­na Steg­mai­er wird ohne nen­nens­wer­te Schul- oder Aus­bil­dung groß. Mit An­fang zwan­zig wird sie Mut­ter zwei­er Kin­der. Mit pre­kä­rer Ar­beit und wie­der­hol­ten klein­kri­mi­nel­len De­lik­ten ver­sucht sie die Fa­mi­lie über Was­ser zu hal­ten. Sie muss im­mer wie­der ins Ge­fäng­nis und letzt­lich kommt sie als sog. „Ge­wohn­heits­ver­bre­che­rin“ nach Aich­ach in die Si­cher­heits­ver­wah­rung und von dort nach Ausch­witz, wo sie nach drei Mo­na­ten stirbt.

Na­ta­lia Kliszc­zyns­ka

Die jun­ge Po­lin Na­ta­lia Kliszcyns­ka wird 1939 im Rah­men der ge­walt­sa­men De­por­ta­tio­nen aus dem Warthe­gau nach Süd­deutsch­land ver­schleppt, wo sie in der Land­wirt­schaft ar­bei­ten muss. Ein­mal wehrt sie sich ge­gen den tät­li­chen An­griff ei­ner Magd, da­für wird die schwan­ge­re Na­ta­lia zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt und kommt nach Aich­ach. Ihr Kind stirbt und sie selbst kommt 1943 nach Ausch­witz, wo sie nach vier Wo­chen eben­falls stirbt.

Anna Stög­bau­er

Anna Stög­bau­er, als Kind von Va­ter und Bru­der miss­braucht, ge­rät auf die schie­fe Bahn und be­geht im­mer wie­der Dieb­stäh­le und Be­trü­ge­rei­en. Sie kommt schließ­lich ins Zucht­haus nach Aich­ach und als sog. „Ge­wohn­heits­ver­bre­che­rin“ in die Si­che­rungs­ver­wah­rung. Von Aich­ach aus kommt sie nach Ausch­witz, wo sie bald dar­auf stirbt.

Ka­ro­li­ne Hartl

Ka­ro­li­ne Hartl, Bäue­rin aus Ober­ös­ter­reich, wur­de u.a. von ih­rem ei­ge­nen Sohn we­gen sog. „Feind­sen­der­hö­rens“ de­nun­ziert und zu 15 Mo­na­ten Zucht­haus ver­ur­teilt. Sie saß neun Mo­na­te in Aich­ach ein, wo sie für die Rüs­tungs­in­dus­trie Zwangs­ar­beit leis­ten muss­te.

Anna Pröll

We­gen ak­ti­vem po­li­ti­schen Wi­der­stand ge­gen das Na­zi­re­gime saß die erst 18jährige Anna Pröll zu­nächst fünf Mo­na­te in Augs­burg und dann 21 Mo­na­te in Ein­zel­haft in Aich­ach ein, da­nach kam sie noch für ein Jahr in das KZ Mohr­in­gen. Zeit ih­res Le­bens blieb sie Frie­dens­ak­ti­vis­tin und en­ga­gier­te sich ge­gen Recht­ex­tre­mis­mus. 2017 wur­de die Gerst­ho­fe­ner Mit­tel­schu­le nach ihr be­nannt.

Kurz­bio­gra­fien

Bei den hier zu fin­den­den Kurz­bio­gra­fien geht es um 41 Frau­en, de­ren Ver­fah­ren sämt­lich vor dem Son­der­ge­richt Bay­reuth ver­han­delt wur­den und die in der Straf­an­stalt Aich­ach en­de­ten. Bei vie­len Fäl­len han­delt es sich um den sog. „Ver­bo­te­nen Um­gang mit Kriegs­ge­fan­ge­nen“. In wei­te­ren Fäl­len geht es um Frau­en, die Feld­post­pa­ke­te und Päck­chen ge­stoh­len ha­ben oder die sich Be­zug­schei­ne und Le­bens­mit­tel­kar­ten un­recht­mä­ßig ver­schaff­ten, an­de­re ka­men we­gen ein­fa­cher Dieb­stäh­le oder Pro­sti­tu­ti­on in Haft.
Die hier auf­ge­führ­ten Bio­gra­fien bie­ten die Mög­lich­keit für eine ei­ge­ne ver­tie­fen­de Re­cher­che, z.B. kann man die Ak­ten der Frau­en­straf­an­stalt Aich­ach aus dem Staats­ar­chiv Mün­chen hin­zu­zie­hen.

Wal­bur­ga We­ber

Wal­bur­ga We­ber, Mut­ter zwei­er Töch­ter aus ein­fa­chen Münch­ner Ver­hält­nis­sen, wur­de we­gen klei­ner Dieb­stäh­le mehr­fach in­haf­tiert. 1943 de­por­tier­te man sie aus dem Frau­en­ge­fäng­nis Aich­ach nach Ausch­witz, wo sie we­nig spä­ter starb. Ihr Schick­sal er­in­nert an eine lan­ge ver­ges­se­ne Op­fer­grup­pe.

Mag­da­le­na Rill

Die Me­rin­ge­rin Mag­da­le­na Rill saß we­gen wie­der­hol­ter Dieb­stäh­le und Be­trü­ge­rei­en ins­ge­samt etwa 20 Jah­re ih­res Le­bens in di­ver­sen Ge­fäng­nis­sen ein. Als sog. „Ge­wohn­heits­ver­bre­che­rin“ wur­de sie Op­fer des von Thierack und Himm­ler be­schlos­se­nen Pro­gramms „Ver­nich­tung durch Ar­beit“ und wur­de von Aich­ach nach Ausch­witz ge­bracht, wo sie bald ver­starb.

Anna Scharf

Anna Scharf wur­de we­gen der Lie­bes­be­zie­hung mit ei­nem fran­zö­si­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen nicht nur in Aich­ach in­haf­tiert, son­dern auch mit ei­nem Schild durch die Stra­ßen von Lands­hut ge­führt. Die­se De­mü­ti­gung präg­te ihr wei­te­res Le­ben und sie ver­ließ Deutsch­land nach dem Krieg.

Mar­ga­re­te Ober­mei­er

Mar­ga­re­te Ober­mei­er wächst in der Ober­pfalz in gro­ßer Ar­mut auf. Nach­dem sie ihr El­tern­haus mit 20 ver­las­sen hat, wird sie im­mer wie­der we­gen klei­ner Dieb­stäh­le und Pro­sti­tu­ti­on ver­haf­tet. Nach­dem sie in Aich­ach ein­saß kommt sie ins KZ Ra­vens­brück und da­nach nach Gras­litz bei Flos­sen­bürg. Trotz in­ten­si­ver Be­mü­hun­gen nach dem Krieg be­kommt sie zeit­le­bens kei­ner­lei Ent­schä­di­gung und stirbt so arm wie sie ge­bo­ren wur­de.

Irm­gard Kraus

Dr. Irm­gard Kraus er­hält im Jahr 1924 ih­ren Dok­tor­ti­tel an der Uni­ver­si­tät Er­lan­gen. Ge­mein­sam mit ih­rem Bru­der Hans un­ter­hält Irma eine Arzt­pra­xis in Fürth. Am 27. No­vem­ber 1935 ver­ur­teilt sie das Land­ge­richt Nürn­­berg-Fürth in zwölf Fäl­len we­gen „ge­werbs­mä­ßi­ger Ab­trei­bung“ nach § 218 Straf­ge­setz­buch zu sechs Jah­ren Zucht­haus und Ent­zug der Bür­ger­rech­te. Im De­zem­ber 1935 wird sie in der Frau­en-Straf­an­stalt Aich­ach in­haf­tiert. Im Jahr 1942 wird Irma Kraus im Rah­men der „Ak­ti­on 14f13“ als Jü­din se­lek­tiert und in der Tö­tungs­an­stalt Bern­burg er­mor­det.

Erna Lies­ke

Erna Lies­ke wur­de un­ehe­lich ge­bo­ren und wuchs in ärm­lichs­ten Ver­hält­nis­sen auf. Be­reits in jun­gen Jah­ren be­ging sie im­mer wie­der Dieb­stäh­le und Be­trü­ge­rei­en, wo­für sie di­ver­se Haft­stra­fen in ver­schie­de­nen Ge­fäng­nis­sen ver­bü­ßen muss­te. Weil sie Wie­der­ho­lungs­tä­te­rin war, wur­de Si­che­rungs­ver­wah­rung aus­ge­spro­chen und sie ge­lang­te als sog. „Be­rufs­ver­bre­che­rin“ von der Straf­an­stalt Aich­ach nach Ausch­witz, wo sie ver­starb.

Sel­ma Graf

Dr. Sel­ma Graf war Frau­en- und Kin­der­ärz­tin in Bam­berg. Als Jü­din ver­folgt, wur­de sie 1939 zu Zucht­haus ver­ur­teilt, spä­ter nach Ausch­witz de­por­tiert und dort 1942 er­mor­det. Heu­te er­in­nern ein Stol­per­stein und eine Pfle­ge­schu­le an sie.

Ma­ria Et­zer

Die über­zeug­te Ka­tho­li­kin und Berg­bäue­rin Ma­ria Et­zer be­han­del­te die ihr zu­ge­wie­se­nen fran­zö­si­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen auf ih­rem Hof im Salz­bur­ger Land mensch­lich. Sie wur­de je­doch de­nun­ziert und be­zich­tigt, sog. „Ver­bo­te­nen Um­gang“ mit ih­nen ge­habt zu ha­ben. Da­für muss­te sie für drei Jah­re ins Aich­acher Ge­fäng­nis, wur­de von ih­rer Fa­mi­lie ver­sto­ßen und wur­de, trotz wie­der­hol­ter Ver­su­che, nie ent­schä­digt.

Mar­ga­re­te Fried­rich

Mar­ga­re­te Fried­rich war eine jun­ge Wit­we aus War­men­stein­ach. 1942 wur­de sie we­gen „ver­bo­te­nen Um­gangs“ mit ei­nem Kriegs­ge­fan­ge­nen zu an­dert­halb Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt. Erst er­hal­te­ne Ge­richts- und Ge­fäng­nis­ak­ten mach­ten ihre Ge­schich­te wie­der sicht­bar.